Globus soll unbedingt einen Standort in Dresden bekommen. Dafür nehmen die Verantwortlichen eine zunehmende Verödung der Shoppinglandschaft in der Innenstadt, eine Zerstörung des Stadtteillebens in der Friedrichstadt, Verkehrschaos und mehr CO2-Ausstoß in Kauf. Das muss verhindert werden!

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Mit Ansage: Verkehrschaos in der Friedrichstadt

Geplanter Globus-Markt führt zu noch mehr Lärm, Dreck und Stau-Frust bei Dresdner:innen und Besucher:innen von Veranstaltungen im Ostragehege.

In Dresden soll ein neuer Globus-Markt gebaut werden. Dabei handelt es sich wohlgemerkt nicht um einen Baumarkt, sondern um einen 10.000 Quadratmeter großen Supermarkt, der sowohl Lebensmittel als auch Non-Food-Artikel im Angebot haben wird. Der Markt wird nicht vor den Toren der Stadt auf „der grünen Wiese“ gebaut, sondern direkt in der City, vor den Toren der Altstadt in Dresden Friedrichstadt. Der Neubau soll 2025 stehen und täglich bis zu 6.000 Personen anlocken. Die meisten von ihnen werden mit dem Auto kommen. Denn das Konzept dieser riesigen SB-Märkte ist es, ihren Kund:innen so viel zu verkaufen, dass sie einen Kofferraum für den Transport benötigen. Die Folge? Eine enorme zusätzliche Belastung des Stadtviertels mit noch mehr Verkehr. Schon heute sind auf der Hamburger Straße und der Bremer Straße täglich insgesamt 34.000 Fahrzeuge unterwegs. Über die Flügelwegbrücke als wichtigen Zubringer fahren fast 43.000 Autos (laut Verkehrszählung 2019). Pendler:innen auf der Strecke würden nach dem Bau des Globus-Marktes noch länger im Stau stehen, und auch die Besucher:innen von Großveranstaltungen im Ostragehege werden das erhöhte Verkehrsaufkommen deutlich spüren.

Mehr Verkehr bedeutet natürlich nicht „nur“ mehr Verkehrschaos, sondern auch mehr Lärm- und CO2-Belastung. Das widerspricht dem Energie- und Klimaschutzkonzept der Stadt Dresden, wonach bis 2030 der CO2-Ausstoß auf 5,8 Tonnen pro Einwohner:in und Jahr gesenkt werden sollen. Mehr Autos bedeuten eben auch mehr CO2-Ausstoß.  Die Ansiedlung des Globus-Marktes wäre also ein fatales und völlig aus der Zeit gefallenes städtebauliches Signal. Deshalb sagen wir „Nein“ zum Bau des Globus-Marktes in der Friedrichstadt.]

34.000 Fahrzeuge

täglich auf der Hamburger und der Bremer Straße

6.000 Fahrzeuge

zusätzlich, wenn Globus kommt

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Zählt in Dresden nur der Wunsch einer Supermarktkette?

Globus soll offenbar auf Biegen und Brechen in der Friedrichstadt einen Ersatzstandort für das Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs bekommen.

Dabei wird sich über die Meinung von Anwohner:innen und der Stadtbezirksbeiräte Cotta und Altstadt hinweggesetzt. Sowohl der Stadtbezirksbeirat Altstadt, als auch der von Cotta haben sich mit einer überdeutlichen Mehrheit gegen den Bau ausgesprochen. Altstadt lehnte den vorhabenbezogenen Bebauungsplan mit 15 Nein-Stimmen, zwei Enthaltung und einer Ja-Stimme ebenso ab wie Cotta (6 Nein-, 6 Enthaltungen und 3 Ja-Stimmen). Erst im Dezember 2022 lehnten die Stadtbezirksbeiräte von Cotta die Änderung des Flächennutzungsplans ab (14 Nein-Stimmen, eine Enthaltung), mit der erreicht werden sollte, dass Globus überhaupt auf dem vorgesehenen Gelände bauen darf.

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Stimmen gegen Globus

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Stimme für Globus

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Weiteres Händlersterben in der Dresdner City befürchtet

Globus ist kein Baumarkt! Globus ist ein riesiges SB-Warenhaus.

Auf 8.000 Quadratmetern Verkaufsfläche wird von Lebensmitteln über Kleidung bis hin zu Haushalts- und Elektrogeräten alles angeboten. Eigentlich ein aus der Zeit gefallenes, typisches Modell für einen Gewerbepark am Rand der Stadt. Doch in Dresden soll Globus mit diesem Konzept aus den 1990er-Jahren einen Standort vor den Toren der Altstadt bekommen. Nachdem der Standort am alten Leipziger Bahnhof gescheitert war, wird nun einfach die Elbseite gewechselt und den Händlern in der Dresdner City dieser riesige Supermarkt direkt vor die Nase gesetzt. Es werden 100.000 Produkte angeboten. Nur etwa 50 Prozent davon sind Lebensmittel. Die anderen 50 Prozent entfallen auf innenstadtrelevante Non-Food-Artikel. Die schädlichen Auswirkungen auf die City und umliegende Stadtteile werden sehenden Auges in Kauf genommen. Statt das Problem des Leerstands von Ladenlokalen zu lösen, wird es verschärft.

100.000 Produkte

bietet Globus in seinen Märkten an.

50 Prozent

des Umsatzes entfallen auf Non-Food.

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Dresdner Stadtteil wird zum Gewerbegebiet degradiert

Laut sächsischem Landesentwicklungsplan ist großflächiger Einzelhandel nur an städtebaulich integrierten Standorten oder in vorhandenen zentralen Versorgungsbereichen zulässig (LEP Z 2.3.2.3).

Die Fläche zwischen Bremer Straße und Hamburger Straße in der Friedrichstadt ist beides nicht. Was wird getan? Um die Ansiedlung zu ermöglichen, muss geltendes Baurecht umschifft werden. Die Fläche in der Friedrichstadt soll in einen komplexen Einzelhandelsstandort (KES) umgewidmet werden. Was das bedeutet? Nach dem Willen der Stadt gäbe es künftig drei solcher KES in Dresden: den Elbepark, den KaufPark Nickern und Globus-Friedrichstadt. Damit ist die weitere Entwicklung des Stadtteils rund um Globus vorgezeichnet. Er bekommt denselben Stellenwert eines Elbeparks oder Kaufparks. Das widerspricht der anwohnerfreundlichen und kleinteiligen Entwicklung eines Stadtteils.

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Existenzangst durch Personalmangel

Alle Branchen haben aktuell mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen.

Allein im Einzelhandel fehlen laut einer Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) deutschlandweit 37.000 Fachkräfte. Der neue Globus-Markt wird nach eigenen Angaben 350 Arbeitskräfte benötigen, die nicht mit neuen Mitarbeitenden besetzt werden können. Es findet lediglich eine Umverteilung statt. Die ohnehin angespannte Personalsituation würde sich weiter verschärfen und vor allem die kleineren Einzelhändler bedrohen, da eine Abwanderung von Mitarbeitenden nicht ausbleiben wird. Dazu gehören Geschäfte für Textil- und Lederwaren, Schuhe und Taschen, Schreib- und Spielwaren, Uhren und Schmuck, Elektronik- und Technikartikel, Haushaltswaren und viele weitere Läden, die zu einer abwechslungsreichen Nahversorgung und einem belebten Stadtteil beitragen.

350 Mitarbeitende

benötigt der neue Globus-Markt.

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Immer mehr Verkaufsfläche. Immer weniger Geld.

In Sachsen gilt laut Landesentwicklungsplan, dass großflächiger Einzelhandel die Versorgungsfunktion eines Stadtviertels nicht beeinträchtigen darf:

„Die Ansiedlung, Erweiterung oder wesentliche Änderung von großflächigen Einzelhandelseinrichtungen darf weder durch Lage, Größe des Vorhabens oder Folgewirkungen das städtebauliche Gefüge, die Funktionsfähigkeit des zentralörtlichen Versorgungszentrums oder die verbrauchernahe Versorgung des Zentralen Ortes sowie der benachbarten Zentralen Orte substanziell beeinträchtigen.“ (LEP Z. 2.3.2.5.) Soll heißen: die schon bestehenden kleinen und mittleren Geschäfte im Stadtteil dürfen nicht durch die Ansiedlung eines Großmarktes in ihrer Existenz gefährdet werden. Genau das wäre aber in der Friedrichstadt bis hinein in die Altstadt der Fall. Denn der neue Globus würde nach eigenen Schätzungen jährlich 45 Millionen Euro Kaufkraft der Innenstadt und der umliegenden Nahversorgung entziehen. Konkret sind dadurch nicht nur Lebensmittelgeschäfte, sondern auch Läden, die zu einer abwechslungsreichen Einkaufserlebnis im Stadtteil beitragen bedroht – so etwa Geschäfte für Textil- und Lederwaren, Schuhe und Taschen, Schreib- und Spielwaren, Uhren und Schmuck, Elektronik- und Technikartikel sowie Haushaltswaren zu nennen.

45 Millionen Euro

weniger Kaufkraft für Dresdner Einzelhandel

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Die Friedrichstadt ist mehr als ein Parkplatz

Laut einer Umfrage des City Managements Dresden aus dem Jahr 2022 sind fehlende und zu teure Parkplätze wesentliche Kritikpunkte von Dresdner:innen und Besucher:innen an der Attraktivität der Dresdner Innenstadt.

Es ist für viele Menschen ein Grund, nicht in die City zum Shoppen zu fahren. Die kostenlosen Parkplätze auf der grünen Wiese, also in Einkaufzentren wie dem Elbepark vor den Toren der Stadt, sind für die Innenstadthändler schon Konkurrenz genug. Mit Globus würde ihnen ein Einkaufsmarkt mit einem kostenlosen Parkplatz, der so groß wie der Altmarkt sein wird, auch noch direkt vor die Nase gesetzt und damit das Problem verschärft.

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kostenlose Parkplätze in der City

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Dresden droht mehr Luftverschmutzung

Gerade erst hat der Stadtrat die Leitziele für den Mobilitätsplan 2035+ verabschiedet. Das Globus-Projekt steht im fundamentalen Wiederspruch zu diesem Vorhaben. Es verstößt massiv gegen den Plan, den Verkehr in Dresden klimaneutraler zu machen.

Wird der Globus-Markt gebaut, bedeutet dies einen massiven Anstieg des Verkehrs in der Friedrichstadt. Betroffen wären vor allem die jetzt schon stark befahrene Hamburger Straße, die Bremer Straße und die Flügelwegbrücke. 25.000 bis 30.000 Kund:innen kämen wöchentlich in den Markt, die allermeisten von ihnen mit dem Fahrzeug. Denn es ist Teil des Konzeptes solcher Märkte, sich an sogenannte Kofferraumkund:innen zu wenden, die so viel kaufen, dass es nur mit dem Auto nach Hause transportiert werden kann. Das bedeutet, dass täglich bis zu 6.000 zusätzliche Fahrzeuge Dresden mit Staus, Lärm und Abgasen belasten. Hinzu kommt, dass die Anfahrtszeit durchschnittlich 35 Minuten beträgt. Dieser massive Anstieg des Individualverkehrs in der Stadt ist mit mindestens sieben der gerade erst vom Stadtrat verabschiedeten 14 Leitzielen für den Mobilitätsplan 2035+ nicht zu vereinbaren. Mit einer Mobilitäts- und Verkehrswende und dem Ziel, den CO2-Ausstoß zu senken, hat das Globus-Projekt nur allzu offensichtlich nichts zu tun.

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Dresden verbaut sich seine Zukunft

Globus bekommt die Fläche zwischen Hamburger Straße und Bremer Straße als Ersatz für den Standort am Alten Leipziger Bahnhof.

An der grundlegenden Problematik, einen solch riesigen Supermarkt mitten in die Stadt zu holen, ändert sich dadurch nichts. Ganz im Gegenteil, der Bebauungsplan steht im Widerspruch zum städtebaulichen Gesamtkonzept der Stadt Dresden. Das Stadtentwicklungskonzept 2025+ hat die Entwicklung des Nahversorgungszentrums Friedrichstadt als Schlüsselprojekt bezeichnet. Darüber hinaus ist eines der Leitziele des Mobilitätskonzepts 2013: „Die Stadt- und Verkehrsplanung sorgt für kurze Wege in Dresden. Im Alltag sind alle Ziele mit Fuß, Rad oder ÖPNV gut erreichbar.“ Mit dem Bau des Globus-Marktes läge die Nahversorgung allein in den Händen eines Großmarktes. Das würde das Ende von kleineren und mittleren Geschäften des täglichen Bedarfs im Quartier der Friedrichstadt bedeuten. Die Folge wäre eine Verödung eines ganzen Stadtteils. Die sich gerade entwickelnde lebendige Stadtteilkultur würde im Schatten des übermächtigen Großmarktes wieder zurückgedrängt.

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Globus-Hypermarkt bedroht Händler in Dresdner City

Laut City Management Dresden steht in der Innenstadt inzwischen jedes 10. Geschäft leer.

20.000 Quadratmeter Ladenfläche warten auf neue Mieter. Diese allerdings anzulocken, wenn direkt vor den Toren der Altstadt ein Globus-Markt mit kostenlosen Parkplätzen entstehen soll, wird mit dem Globus-Plan deutlich erschwert. Zumal schon jetzt überdurchschnittlich viel Ladenfläche pro Einwohner:in zur Verfügung steht. Auf jede:n Dresdner:in entfallen über 1,7 Quadratmeter in einem Supermarkt, Discounter oder SB-Warenhaus. Das ist schon jetzt deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt, wo pro Einwohner:in eine Fläche von etwa 0,42 Quadratmetern zur Verfügung steht. Noch mehr Verkaufsfläche durch den Globus-Markt bedeutet nicht mehr Kaufkraft. Sie wird lediglich aus anderen Stadtteilen zum Schaden kleinerer und mittlerer Geschäfte abgezogen.

20.000 qm

Ladenfläche sind unvermietet.

Jedes 10. Geschäft

in der City steht leer